25.2.2017 - Presseerklärung zum OP-Artikel: „Ist Gemüse in Sarnauer Gärten zu sehr belastet?“ 

Im Bericht der OP teilt das Regierungspräsidium (RP) Gießen mit:

"Emissionsseitig wird auf dem Betriebsgelände der MRV die gereinigte Abluft der gefassten Quelle des Schredders regelmäßig gemessen." Dabei wurden die Emissionsgrenzwerte für Benzo(a)pyren oder Chrom bei der letzten Messung 2014 bei weitem nicht erreicht und:  "Die bekannten Ergebnisse sind der Grund, warum auf weitere Messungen dieser Art weiter entfernt von der Anlage abgesehen wird." Vorher wird bezüglich der "vorliegenden schädlichen Umwelteinwirkungen im Nahbereich des Betriebsgeländes vom Sprecher des RP stolz verkündet: "Mit der Mahd der Futtermittel und deren Verfütterungsverbot werden die Schadstoffe der Nahrungskette entzogen, sodass sich damit die Risiken im Wirkungspfad Futtermittel-Tier-Mensch nicht realisieren können."

Immerhin scheint man also Risiken vor der Öffentlichkeit nicht ganz wegwischen zu können! Eine alle 3 Jahre nach Vorankündigung stattfindende  Messung der gereinigten (!) Abluft am Kamin (Schlot) des Schredders (..was geschreddert wird bestimmt der Betreiber!) beruhigt offenbar dennoch das Regierungspräsidium - nicht  aber die Sarnauer. und die Bürgerinitiative Windrose. Die Schadstoffemissionen können sich minütlich ändern - je nach dem zugeführten Schreddermaterial. Es ist bei dieser Anlage deshalb eine fest eingebaute Dauermessanlage notwendig, um eine wissenschaftlich hieb-und stichfeste Aussage über die wirkliche Schadstoffabgabe dieses Schredders zu bekommen.

Noch wichtiger aber ist, dass nicht die "gereinigte Abluft" die vom RP gemessenen und anerkannten "schädlichen Umwelteinwirkungen " verursacht, sondern die völlig ungereinigten Stäube und sonstigen Emissionen, die seit Betriebsbeginn 1990 vom Boden- bis zum Dachbereich aus diversen Öffnungen kontinuierlich und vollkommen ungereinigt aus dem Schreddergebäude austreten. Dies kommt daher, dass die Schredderanlage 1991 mit dem technischen Genehmigungsfehler in Betrieb genommen wurde, dass die Absauganlage innerhalb des Schreddergebäudes nicht ausreichend Unterdruck erzeugt; entgegen der Vorschrift aus dem Genehmigungsbescheid vom 30.November 1990, I./3.Luftreinhaltung/ S.14/ 3.1.1: "Alle Staubemissionsquellen der gesamten Schredderanlage sind zu erfassen und einer Entstaubungsanlage zuzuführen." Diese Vorschrift in Kurzfassung: „Beim Schredderbetrieb darf aus dem Schredderhaus kein Qualm und Staub herauskommen!“

Den Austritt völlig ungereinigter Stäube und sonstiger Emissionen  hat die Bürgerinitiative seit Jahren mit Fotos und Filmen dokumentiert, dem Regierungspräsidium beginnend im Frühjahr 2000 vorgelegt und es zum Handeln veranlasst. Umso unverständlicher, dass es sich jetzt anscheinend beruhigend zurücklehnen möchte, anstatt endlich durchgreifend zu handeln. Oder sollte das Hauptproblem der Genehmigungsbehörde sein, nicht zugeben zu wollen, zu können, zu dürfen, 1990 eine Schredderanlage mit diesem kapitalen Konstruktionsfehler genehmigt und damit verantwortet zu haben!

Ach ja, es steht ja doch die Frage im Raum, wer letztendlich die uneingeschränkt notwendige technische Nachrüstung der Absauganlage zu bezahlen hat. Die Kosten werden wohl nach Einschätzung der BI-Windrose zu  Lasten des RP gehen, also werden wieder einmal wir Steuerzahler für das dokumentierte Versagen einer Genehmigungsbehörde zahlen müssen.

 

Presse 29.9.2016 - Mediation zwischen dem Land Hessen und MRV gescheitert !

Presserklärung der BI-Windrose e.V. Lahntal
Am 29.9.2016 wurde im Umweltausschuss des Wiesbadener Landtages erneut über den Berichtsantrag von Frau Marjana Schott von der Partei DIE LINKE zu den Schadstoffbelastungen, die von der Firma MRV (Marburger Rohstoffverwertung) in Lahntal Goßfelden verursacht werden, debattiert. Dieser Termin war nötig geworden, weil eine Reihe von Fragen der Abgeordneten, z.B. zu den Grundwasserabflussverhältnissen im Untergrund, unzureichend beantwortet wurde. Gleich zu Beginn der Gespräche wurde von Seiten der Landesregierung bekannt gegeben, dass die Mediation zwischen dem Land Hessen, vertreten durch das Regierungspräsidium Gießen und der Firma MRV, gescheitert ist.

Als Grund wurde genannt, dass die Firma MRV nicht bereit war, über Maßnahmen zur Verminderung des Schadstoffausstoßes am Schreddergebäude zu verhandeln. Dabei ist aufgrund von verschiedenen Untersuchungen, die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden, nun offensichtlich, dass der Schredder der Firma MRV als alleiniger Verursacher der hohen Belastungen, z.B. an polychlorierten Biphenylen (PCB) verantwortlich ist. Manche PCB, sogenannte dl-PCB weisen eine ähnliche Giftigkeit auf wie Dioxine. Grenzwertüberschreitungen bei den Konzentrationen dieser PCB sind die Ursache dafür, dass die erzeugten Futtermittel um die Anlage seit Jahren vernichtet werden müssen. In der Antwort zum Berichtsantrag äußert sich die Landesregierung hierzu folgendermaßen. „Sowohl die räumliche Verteilung der Belastung an Dioxinen/Furanen, PCBs und dl-PCB als auch das konkrete Schadstoffmuster deuten eindeutig auf die Marburger Rohstoffverwertung Johannes Völker GmbH als den Verursacher für die in den letzten Jahren festgestellten Futtermittelbelastungen hin.“ Genau zu diesem Schluss kam auch ein von der Bürgerinitiative Windrose in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Ergebnisse der Schadstoffmessungen im Umfeld der Anlage aus dem Jahr 2015 bewerten sollte.
Schon lange wird von der Bürgerinitiative befürchtet, dass MRV nur auf Zeit spielt. Helmut Rakow, 2. Vors. von der BI dazu: „Wir sind von MRV nun wieder 2 Jahre hingehalten worden, in denen rein gar nichts passiert ist, obwohl nicht erst seit dem verheerenden Brand im Jahr 2011 allen klar sein muss, was für eine Dreckschleuder MRV ist.“ Und Günther Knarr, 1. Vorsitzender ergänzt: „Jetzt reicht es, es müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Das Gerichtsverfahren muss so schnell wie möglich zu Ende gebracht werden. Unabhängig vom Ausgang muss der RP umgehend die Konsequenzen aus dem Urteil ziehen“.
Im Fall eines Obsiegens ist für eine zügige Totalsanierung des Schreddergebäudes zu sorgen. Unterliegt der RP, müssen schnellstens aus den Fehlern, die in der 1. Anordnung gemacht wurden, die Lehren gezogen und zügig eine gerichtsfeste 2. Anordnung ebenfalls mit dem Ziel der Totalsanierung auf den Weg gebracht werden.
Es kann nicht angehen, dass führende Lokalpolitiker sich beim Ansiedeln von Industrie groß feiern lassen. Wenn dann aber Industrieanlagen zu Problemen führen, wird der Bürger von der Politik und den Behörden alleine gelassen. So auch die Bürgerinitiative BI-Windrose e.V. seit über 16 Jahren in unserer Gemeinde Lahntal.

 

Presse 8.3.2013 - Langsam reifen die Früchte unserer Arbeit

RP verschärft Auflagen für MRV Lahntal (OP - 8. März 2013)